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Dietzenbach erhält Integrationspreis
Samstag, den 20. Februar 2010 um 10:49 Uhr

Duisburg/Dietzenbach ? Oliver Bierhoff ist da – und wo er ist, sind auch gleich die Fotografen. Doch nicht die jüngsten Dissonanzen mit DFB-Präsident Theo Zwanziger sollen an diesem Abend in der Duisburger Mercator-Halle im Zentrum stehen. Vielmehr geht es um das Thema Integration. Von Nina Beck Zum dritten Mal haben der Deutsche Fußball-Bund und Mercedes Benz am Dienstagabend den nach eigenen Angaben höchstdotierten Sozialpreis der Republik, den Integrationspreis im Gesamtwert von 150.000 Euro vergeben. Zu den neun Preisträgern, jeweils drei in den Kategorien „Schule“, „Sonderpreis“ und „Verein“, gehört auch Dietzenbach mit dem Hegiss-Projekt „Wir bewegen uns“.

Rund 240 Bewerbungen deutschlandweit hatte es gegeben, die kleine Dietzenbacher Delegation um Ersten Stadtrat Dietmar Kolmer, Hans-Jürgen Daum, Abteilungsleiter für Soziale Arbeit, Quartiersmanager Jan Thielmann von der Nassauischen Heimstätte und Gabriele Perri vom FC Dietzenbach weiß an diesem Abend zumindest schon mal, dass sie auf dem „Treppchen“ gelandet ist. Nur: Ist es Bronze, Silber oder Gold?

Noch muss sie sich ein wenig gedulden. Zwischen Sektempfang und Vorspeisen wird Breakdance gereicht. Dann ergreift der Schirmherr des Preises, der Manager der Fußballnationalmannschaft, das Mikrofon. Integration sei „ein ganz wichtiges Thema“, sagt Bierhoff, im Fußball wie in der Gesellschaft. Beispiel Nationalmannschaft: „Wenn sich ein Spieler wie Mesut Özil entscheidet, für Deutschland zu spielen, ist das ein starkes Zeichen.“

Sport ist Katalysator für Integration

Die Anzahl der Bewerbungen zum Integrationspreis 2009 nennt Bierhoff „gigantisch“. Er hoffe, dass sich durch diesen Preis

herumspreche, dass sich soziale Arbeit lohne. Klar sei nämlich auch: Ohne Ehrenamt kommt man nicht weit. Und so lobt er denn auch das Engagement all der freiwilligen Helfer in Schulen und Vereinen, die derartige Projekte ins Leben rufen und mit Leben erfüllen: „Sie sind die treibenden Kräfte, das, was unser Land braucht.“

Gegen 21 Uhr wird es für Dietzenbach ernst. Als zweite Kategorie steht die Preisverleihung für den „Sonderpreis“ an. Alle drei nominierten Projekte werden in einem filmischen Kurz-Porträt vorgestellt. Der Beitrag über die „Grenzenüberwinder aus Dietzenbach“ beginnt unweigerlich mit den Hochhäusern im Spessartviertel, gibt Daum und Thielmann das Wort, zeigt Nachwuchskickerinnen der Aue-Schule.

Zentrale Botschaft: Sport ist ein wichtiger Katalysator für Integration und Bildungsförderung. Und – kleine Anekdote am Rand – der Mädchenfußball scheint auch in der Schule erste Erfolge zu zeitigen: „Die Mädchen bestimmen schon auf dem Schulhof, was gespielt wird.“

Mehr als 35 Einzelprojekte sind bislang im Rahmen von Hegiss gelaufen, die gemeinsam vom FC Dietzenbach und diversen Schulen gestarteten Mädchen-Fußball-AGs haben einen regelrechten Boom ausgelöst. Mehr als 150 Mädchen, die meisten davon mit Migrationshintergrund, haben daran teilgenommen. Außerdem bildeten Wissenschaftler der Universität Osnabrück bereits 23 Schulsportassistentinnen aus, und zum Jahresbeginn haben 16 Integrationslotsen ihre Arbeit aufgenommen.

Auszeichnung öffnet Türen

„Ich bin sehr stolz darauf, dass auch ein Projekt aus Hessen unter den Geehrten ist“, sagt Nia Künzer, in ihrer aktiven Zeit siebenfache Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin mit dem FFC Frankfurt, die anlässlich der Einweihung des DFB-Minifußballfelds schon einmal an der Ernst-Reuter-Schule zu Gast war. „In Dietzenbach passiert sehr viel in dieser Richtung. Das ist ein Vorzeigeprojekt in Hessen, daran können sich auch andere orientieren.“

21.10 Uhr. Der dritte Preis, 5000 Euro, geht an ein Projekt aus Tübingen. Die Spannung am Dietzenbacher Tisch steigt. Oliver Bierhoff öffnet den nächsten Umschlag: „Platz zwei geht an die Kreisstadt Dietzenbach!“ 10.000 Euro ist dieser zweite Preis wert, auf dem ersten Platz landet ein Projekt aus Eschweiler, das dafür einen Mercedes Vito erhält.

Wie sie das Geld investieren werden, wissen die glücklichen Zweiten derzeit noch nicht. „Diese Auszeichnung öffnet uns aber in Zukunft sicher einige Türen“, hofft Daum, nicht zuletzt im Hinblick auf Sponsoren. Schließlich soll das Projekt auch nach Ablauf des Hegiss-Zeitraums zum Jahresende weitergeführt werden.

 
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